Endspurt

Noch fünf Wochen…

Es neigt sich dem Ende zu und da man von mir ja schon länger nichts mehr gehört hat, erzähl ich noch mal ein bisschen was in den letzten Monaten so passiert ist.

Schulwechsel

Da es mir in der Venezuela, meiner Vormittagsschule, ja nie so richtig gefallen hatte, in der ich nie etwas zu tun hatte, beschloss ich im März in eine andere Schule zu wechseln. Also führte ich meine Arbeit von da an in der Grundschule „La Valda“ fort. Zuerst dachte ich mir: Hm Grundschule ist ja eigentlich nicht so deins, Secundaria liegt mir schon mehr…. und in der Anfangsphase fiel es mir auch sehr schwer, da ich dort lediglich eine der Lehrerinnen im Unterricht begleitete und sonst halt gerade da eingesetzt wurde, wo jemand gebraucht wurde, sprich wo kein Lehrer da war. Dadurch entstanden dann schon mal Situationen, wie z.B. dass ich vier Stunden mit einer Klasse Englisch machen sollte, weil der Lehrer irgendwo auf dem Weg zwischen Sucre und Monteagudo feststeckte, oder dass ich auf einmal alleine vor einer ersten Klasse stand, weil die Lehrerin mal für „un ratito“ (einen Moment) in die Dirección musste…und dann erst mal anderthalb Stunden weg war ;D.

In der Zeit ist mir dann auch wieder sehr deutlich klar geworden, dass ich NICHT Grundschullehrerin werden möchte. Nach den ersten Wochen Eingewöhnung in der neuen Schule, bat ich dann aber den Schulleiter um einen Stundenplan und seitdem unterrichte ich, da es keinen Englischlehrer gibt, eigenständig die fünften und sechsten Klassen in Englisch (in Bolivien geht die Grundschule bis zur sechsten Klasse). Mit dieser Altersklasse komme ich auch schon wieder viel besser klar und ich genieße es richtig, endlich meinen eigenen Unterricht machen zu können und alleine zu unterrichten.

Seit diesem Schulwechsel geht es mir auch im Allgemeinen viel besser in Bolivien, da ich endlich eine richtige Aufgabe habe und es hat mir auch wieder verdeutlicht hat, dass Lehrerin genau der richtige Beruf für mich ist.

In meiner Nachmittagsschule der „Esprella“ hat sich grundsätzlich nichts geändert, außer, dass ich dort mittlerweile viel mehr Aufgaben übernehme und es deswegen auch meist nicht mehr langweilig ist. Mittlerweile übernehme ich komplett die Übung der Aussprache, korrigiere die meisten Examen und Hefte, erkläre oft neue Themen, lerne mit den schwächeren Schüler für ihre Examen und helfe sonst weiterhin bei der Bearbeitung von den Aufgaben.

So viel zur Schule.

Reisen

Im April machte ich mich alleine auf die Reise nach Peru, um mich dort mit einem ehemaligen Schulkameraden zu treffen. Vor der Fahrt alleine dorthin hatte ich schon etwas Angst, aber es hat alles gut geklappt, sodass ich vor alleine Busfahren oder fliegen jetzt auch keine Bedenken mehr habe. Ich fuhr von Monteagudo nach Sucre, von Sucre nach La Paz und von La Paz nach Cusco. Von Cusco aus starteten wir unseren Trip nach Machu Picchu. Nach Machu Picchu schauten wir uns noch zwei Tage Cusco an und dann ging es schon wieder, über La Paz, zurück nach Sucre. Leider war ich in der Zeit in Peru sehr krank, weswegen ich das Ganze nicht so richtig genießen konnte.

Im Mai ging es erneut für eine Woche auf Reisen, diesmal mit meinen Mitfreiwilligen Lea, Suzi, Kimi und Caro. Wir trafen uns in La Paz, da Lea und Caro zuvor noch in Santa Cruz gewesen waren um dort eine Sprachprüfung abzulegen, für die sie zuvor Monate geschuftet hatten, und Suzi und ich noch Kimi in ihrem Dorf Sopachuy besuchten. Von La Paz aus ging es dann mit dem Flugzeug nach Rurrenabaque, wo wir eine dreitägige Dschungel/Pampas-Tour starteten. Auf dieser fuhren wir hauptsächlich, zusammen mit unserem Guide und noch vier Engländerinnen, auf einem kleinen Boot durch die Pampas und beobachteten die reiche Pflanzen– und Tierwelt um uns herum. Dabei sahen wir eine unglaubliche Vielfalt an tollen Vögeln, wie zum Beispiel auch Aras, Flussdelfine, Kaimane, Affen, Faultiere, Schildkröten und Wasserschweine. Außerdem machten wir uns auf die Suche nach Anakondas, haben aber leider keine gefunden. Auch waren wir Piranha Fischen, mit den Flussdelfinen schwimmen und haben sogar einen Babykaiman auf dem Arm gehalten. Eine unglaubliche schöne Tour auf der wir sehr viel gesehen haben.

Geburtstag

Am vorletzten Wochenende stand dann schließlich noch mein Geburtstag an. Diesen verbrachten wir zusammen mit den meisten anderen Voluntarios (Freiwilligen) in Sucre. Dadurch konnten wir an meinem Geburtstag, der praktischerweise auf einen Freitag fiel, morgens schön gemütlich und sehr lecker frühstücken und abends feiern gehen. Dieses Wochenende war auch gleichzeitig unser letztes „Sucre-Wochenende“. Denn einmal im Monat, haben die meisten Freiwilligen sich für ein Wochenende im Hostel unserer Organisation getroffen, um Erledigungen zu machen, auszugehen und einfach gemeinsam Zeit zu verbringen und sich von den jeweiligen Erlebnissen zu erzählen. Davon war jetzt das Wochenende der Abschluss, da wir uns jetzt im Juli schon auf unsere letzten Reisen begeben werden.

Entrada de San Antonio

Letztes Wochenende stand dann für uns das letzte große Dorffest an, nämlich die Entrada zu Ehren des San Antonio, dem Schutzpatronen von Monteagudo. Das bedeutete einen großen Umzug der verschiedenen Gruppen, außerdem Tänze und eine Feier auf der Plaza Principal. Im Zuge dessen sollten Lea und Suzi auch zusammen mit den anderen Profes aus dem Kindergarten tanzen. Ich wollte das ganze eigentlich nur von außen beobachten. Nun war Suzi dann am Samstag aber leider krank, sodass ich kurzfristig eingesprungen bin. Das fand ich auch eigentlich ganz schön, da ich es ein bisschen schade fand, dass ich mit keiner meiner Schulen tanzen konnte. Also tanzten Lea und ich zusammen mit den anderen Profes auf der Plaza und schauten danach noch einigen Gruppen zu.

 

Nun geht’s in die letzten Wochen. Noch anderthalb Wochen im Dorf. Und dann nochmal drei wochen reisen und dann geht’s „schon“ nach Hause. Im Moment sind wir dabei unsere letzten Unterrichtsstunden und unseren Abschied zu planen. Im Moment blicke ich dem Ganzen mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freue ich mich einfach unglaublich auf zu Hause. Auf Deutschland, auf meine Familie, meine Freunde und aufs Essen ;). Anderseits ist es auch sehr traurig, dass die Zeit hier zu Ende geht. Eine Zeit, die oft nicht leicht war, die viele Schwierigkeiten aufgeworfen hat, aber auch eine Zeit, die unglaubliche viele und wertvolle Erinnerungen und Erfahrungen hervor gebracht, in der wir unglaublich viel erlebt haben, eine Zeit die ich nie hätte missen wollen. Jetzt heißt es jedoch erst mal Abschied nehmen, von der Arbeit, von den Leuten, von dem Leben hier, von den anderen Freiwilligen, von Bolivien.

Ich weiß nicht ob ich es nach meiner Reise noch mal schaffe zu schreiben, ansonsten melde ich mich dann nochmal aus Deutschland ;).

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Paradies und Hölle

Nachdem wir ja die letzten Wochen, auf Grund diverser Feste, so richtig viel gearbeitet hatten, bot sich uns diese Woche eine ganz neue Überraschung: Es wurde eine Woche nicht gearbeitet. Das war ja mal ganz was Neues. Der Grund dafür: es wurde gestreikt. Und zwar streikten nicht etwa die Lehrer oder die Taxifahrer oder Bauarbeiter oder sonst eine Gruppe, sondern einfach ALLE! Dies begann schon am letzten Freitag, als ich in der Schule mit dem nicht allzu unbekannten Satz „No hay clases.“, also „es ist kein Unterricht“ begrüßt wurde. Auf meine Frage warum nicht wurde mir dann erklärt, dass irgendwer streikt, genau habe ich es aber nicht verstanden. Hat man sich jetzt auch nichts weiter bei gedacht, irgendwas ist ja immer. Wir freuten uns über ein langes Wochenende. Samstag war dann auch wieder alles normal. Sonntagnachmittag hingegen verbreitete sich dann die Nachricht, dass die ganze Woche gestreikt werden solle und zwar von allen. Das erfüllte uns dann doch etwas mit Entsetzen, da mir zumindest unvorstellbar war, wie denn einfach alle streiken konnten, das geht doch gar nicht. Doch es geht. Die Woche über hatte alles, abgesehen von einigen Tiendas (kleine Lädchen), wirklich alles zu. So still habe ich das Dorf echt noch nie erlebt.

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Nach anfänglicher Verärgerung beschlossen meine Mitbewohnerin Lea und ich dann aber die freien Tage dafür nutzten zu wollen etwas die Gegend um unser Dorf herum zu erkunden. So machten wir uns am Montagnachmittag zu einer kleinen Wanderung auf. Dafür folgten wir einfach der Straße aus dem Dorf raus und bogen dann in den ersten Feldweg, der uns gefiel, ab um diesem dann zu folgen. Er führte uns erst am Fluss entlang dann durch Felder und Plantagen und schließlich in einen Wald herein, der wirklich schon deutliche tropische Merkmale verzeichnete. Es war einfach nur unglaublich schön und wir waren total begeistert von dem Paradies, das sich direkt vor unserer Haustür verbarg. Es war einfach sehr idyllisch, da man von unglaublich schöner Landschaft umgeben, in vollkommenem Frieden wandern konnte, da wir natürlich kaum jemandem begegneten. Die einzigen Leute, denen wir begegneten, waren ein paar Kinder, an einem der zwei oder drei Farmhäuser, an denen wir vorbeikamen. Deren schockierte Blicke ließen uns überlegen, ob wir wohl die ersten Weißen waren, die sie je zu Gesicht bekommen hatten. Ansonsten begegneten wir aber hauptsächlich Vögeln, ganz vielen Schmetterlingen und natürlich allem möglichen sonstigen Viechzeug.

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Nach etwa drei eineinhalb Stunden trieb uns das schwindende Tageslicht dann schließlich nach Hause zurück. Dort wollten wir nur noch duschen, was essen und dann ins Bett fallen. Denkste. Schon als wir ankamen, war ein großer Aufruhr im Hof, denn die meisten unserer Nachbarn standen in einer Ecke versammelt und machten Fotos. Also gingen wir natürlich auch mal schauen was es denn da zu sehen gab. Und was saß dort…ein Stinktier. Alles schön und gut, also haben wir es etwas beobachtet, ein paar Fotos gemacht und uns dann nichts weiter dabei gedacht.

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Später liege ich im Bett, Lea schläft schon, als ich auf einmal ganz eigenartige Geräusche hörte. Ich denke nur: Scheiße das Vieh sitzt bestimmt unterm Bett. Also Lea geweckt und das ganze Zimmer durchsucht…nichts. Als wir jedoch beide wieder im Bett waren, hörte Lea es auch. Also sprangen wir wieder auf und machten uns erneut auf die Suche. Diesmal kam es definitiv aus Richtung der Kommode, da drunter war aber nichts. Wir waren kurz davor zu denken da wäre irgendwas in der Wand, als wir die Kommode dann doch mal zur Seite schoben. UND DA SAß ES! Wir sind erst mal schreiend aus dem Zimmer gespurtet um dort dann verzweifelt zu überlegen was wir jetzt tun sollten. Zum Glück kamen relativ schnell unsere Nachbarn von gegenüber, da sie uns aus dem Zimmer hatten rennen sehen. Deren Männer machten sich dann netterweise direkt an die Arbeit das Vieh zu verscheuchen. Das stellte sich aber leider als schwieriger raus als gedacht, es wollte sich nämlich partout nicht vertreiben lassen. Und da es sich natürlich bedroht fühlte, hat es sich logischerweise auch verteidigt. Und glaubt mir ihr könnt euch diesen Gestank nicht vorstellen. Ich stand am anderen Ende vom Hof und musste mich fast übergeben und in dem Zimmer konnte man sich wirklich keine dreißig Sekunden aufhalten, was das Ganze natürlich nicht einfacher machte. Wir saßen nur draußen und haben uns gedacht: Das kann jetzt einfach nicht wahr sein. Wie konnte sich so ein schöner Tag nur zu so einem Horror entwickeln. Nach etwa anderthalb Stunden hatten die Nachbarn es dann endlich geschafft das Stinktier zu beseitigen. Erster Schritt geschafft. Danach folgte aber erst die richtige Arbeit. Noch in der Nacht räumten wir das Zimmer, soweit es ging, aus, wuschen die Bettwäsche und putzten den Boden. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug gewesen, ging natürlich genau in diesem Moment auch noch die Gasflasche leer, sodass wir nicht mal mehr Wasser zum Putzen und waschen kochen konnten, und wegen des Streiks war es auch nicht das leichteste am nächsten Morgen eine Neue aufzutreiben. Da wir aber so ja nichts mehr machen konnten und sowie so auch total geschafft waren, gingen wir dann ins Bett, zum Glück war unsere Mitbewohnerin außer Haus, sodass wir bei ihr im Zimmer schlafen konnten. Mittlerweile war es auch schon zwei Uhr. Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit Boden erneut putzen, Kommode ausräumen, entscheiden was gewaschen werden musste und wo lüften ausreichte, Kommode auswischen, Vorhänge waschen, Boden nochmal putzen, bei den Nachbarn bedanken gehen, nochmal alles wischen usw. usw.. Die nächsten Tage sahen ähnlich aus und erst Donnerstagabend hatte sich der Gestank soweit verflüchtigt, dass wir zum ersten Mal wieder im Zimmer schlafen konnten. Das waren echt keine lustigen Tage, vor allem der Dienstag, an dem man gearbeitet und gearbeitet hat, wirklich ich habe gedacht mir fallen die Arme ab vom ganzen waschen, ohne einen wirklichen Erfolg zu sehen.

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Aber irgendwie haben wir auch das geschafft und auch wenn man es noch immer etwas riecht, ist es mittlerweile echt aushaltbar und der Streik ist zum Glück auch erst mal vorbei. Hoffen wir, dass sie auch nicht wieder anfangen.

Día del Mar

Am 23. März wurde in Bolivien der Día del Mar gefeiert. Man merkt im Moment wird andauernd irgendetwas gefeiert :D. Interessanterweise wurde damit der Tag gefeiert an dem Bolivien das Meer Chile verloren hat. Na ja, in den Schulen gab‘s deswegen natürlich mal wieder ein großes Fest. Es wurden Reden gehalten, patriotische Hymnen zum Meer gesungen, ich sag ja es gibt für alles ne Hymne hier, und natürlich wurde getanzt. Alles zu Ehren des verlorenen Meeres? Ich weiß es nicht. Es geht wohl hauptsächlich darum, dass sie ihren Meerzugang wieder haben wollen. Wie sie sich das genau vorstellen weiß wohl keiner so genau, aber es wird immer wieder ihr Recht auf dieses Meer betont. Das wird auch den Kindern in den Schulen von jüngsten Alter an eingebläut, sodass schon in der Grundschule und im Kindergarten Slogans wie „Mar para Bolivia“, also Meer für Bolivien, gerufen werden. Alles etwas wierd, das Fest in der schule war aber wieder sehr schön.
Hier noch ein paar Eindrücke:

 

Pujllay

Am letzten Wochenende setzten wir uns mal wieder den 1000 Gefahren einer Flotafahrt Richtung Sucre aus. Diesmal aber um nach Tarabuco, ein kleines Dorf etwa anderthalb Stunden vor Sucre in dem auch Freiwillige von uns wohnen, zu kommen. Die Fahrt erfüllte uns ein wenig mit Sorge, da wir davor die Woche, auf der Rückfahrt von Sucre vier Stunden in der Pampa rumstanden, weil der Weg vom vielen Regen der im Moment fäll, so matschig war das wir nicht mehr weiterkamen. Diesmal lief aber zum Glück alles glatt und wir kamen Freitag gegen drei Uhr morgens in Tarabuco an. Grund unserer Reise nach Tarabuco war der Pujllay ein angeblich riesiges Fest mit dem der dortige Sieg über die Spanier gefeiert wird. Ursprünglich dachten wir, dass die Festivitäten schon Freitagabend beginnen würden, deswegen auch die frühe Anreise, im Endeffekt war es aber natürlich dann doch erst Samstag. Bolivien halt. War aber nicht weiter schlimm so verbrachten wir den Freitagabend eben unter uns. Das war auch unglaublich cool, da aus unserer, aus 24 Freiwilligen bestehenden, Gruppe, 18 sich in Tarabuco eingefunden hatten, selbst die Mädels aus dem unglaublich abgeschlagenen Puerto Quijaro, die dafür eine zweitägige Busanreise auf sich genommen hatten. So feierten wir eben Freitagabend bei den Tarabucofreiwilligen Tami, Mareile und Frieder im Hostal, wo wir natürlich auch gewohnt haben, und verbrachten einen coolen, entspannten und sehr lustigen Abend zusammen. Samstag sollte es dann aber losgehen. Diesmal wirklich. Tat es auch, aber halt erst abends. Also nutzten wir die verbleibende Zeit um ein wenig das Dorf zu erkunden. Im Zuge dessen besuchten wir auch das „Stadttor“ am Dorfeingang, auf welches man normalerweise auch hinaufsteigen kann, an dem Tag aber natürlich nicht und stiegen auf einen „Berg“, also eher einen Hügel auf dem sich uns ein toller Blick über Tarabuco und die umliegende Umgebung bot.

Nach etwa anderthalb Stunden war das aber auch erledigt und so chillten wir den restlichen Tag im Hostal. So gegen acht Uhr abends startete dann das Abendprogramm, bestehend aus diversen, aufeinanderfolgenden Konzerten bolivianischer Bands. Diese fanden in einer, für die Größe des Dorfes, ziemlich großen Halle statt. Dort feierten wir dann, bis uns die, sich doch meistens ziemlich gleich anhörende bolivianische Musik, irgendwann wirklich zu den Ohren rauskam. Da konnte dann die angeblich berühmteste Band Boliviens, deren Namen ich leider vergessen habe, auch nichts mehr dran ändern.


Am nächsten Tag sollte es dann angeblich um neun mit der Entrada weitergehen, das ist so eine Art Umzug indem, nur das die Teilnehmer nicht einfach mitgehen, sondern tanzen, sowie bei der, bei der wir in Sucre mitgetanzt haben. Nur das diese natürlich viel kleiner war, und leider fast alle Gruppen den gleichen Tanz getanzt haben, nämlich pujllay, demnach auch die gleichen Kostüme hatten, was das Ganze nicht besonders spannend machte. Deswegen machten wir uns relativ bald auf den Weg zur Pukara, das ist so eine Art Turm an dem alles Mögliche an Essen befestigt wird. Also wirklich von Obst und Gemüse, über Ketschup und Mayonnaise bis zum einer ganzen Kuh. Damit werden wohl die, die in diesem Kampf gegen die Spanier gefallenen Krieger geehrt. Dort endete dann auch die Entrada, indem jede Gruppe noch eine Weile um die Pukara getanzt hat. In einer Gruppe tanzte sogar der Staatspräsident Evo Morales mit, der wohl auch später noch eine Rede gehalten hat, die wir uns aber nicht mehr angehört haben.


Wir ließen den Tag dann wieder alle zusammen, gemütlich im Hostal ausklingen und erholten uns von der krassen Sonne, die an der Pukara auf uns geknallt hatte. Im Laufe des Nachmittags und Abends machten sich dann alle auf den Heimweg und schließlich um acht traten wir dann als letztes auch unsere Heimreise an, die auch zum Glück wieder unproblematisch verlief.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass es ein unglaublich tolles Wochende war, auch wenn mich die Fiesta an sich jetzt nicht total vom Hocker gerissen hat, war die gemeinsam verbrachte Zeit einfach sehr schön.

Día del Padre

Am 19. März wurde in Bolivien der Día del Padre gefeiert. Da das ein Samstag war, wurde in meiner Schule aber schon am Donnerstag gefeiert. Dafür fand nach der ersten Stunde, in der noch Unterricht gemacht wurde, die Hora Civica statt, was das genau bedeuten soll weiß ich auch nicht :D. Es stellte sich jedenfalls als eine Veranstaltung auf dem Schulhof, an der alle Klassen teilnahmen und zu der wohl auch die Eltern eingeladen worden waren, auch wenn nur wenige gekommen sind. Das Programm dieser Veranstaltung, zu Ehren des Día del padre, bestand hauptsächlich aus verschieden Tänzen, die die einzelnen Kurse vorbereitet hatten. Begonnen wurde aber natürlich erstmal mit der Nationalhymne. Danach folgte die „Hymno al Padre“, also die Hymne des Vaters. Wozu es hier überall irgendwelche Hymnen gibt, überrascht mich auch immer, meine Schule hat auch eine eigene, und vor allem können die dann auch immer alle singen. Anschließend begannen dann die Tänze. Es mag etwas komisch erscheinen warum zum Vatertag ausgerechnet getanzt wird, aber in Bolivien wird eigentlich einfach bei jeder besonderen Gelegenheit getanzt und ich war auch sehr überrascht welch große Begeisterung von Seiten der Schüler auftrat, als gefragt wurde wer mittanzen möchte, insbesondere auch auf Seiten der Jungs. Jedenfalls boten dann erste bis fünfte Klasse der Secundaria, keine Ahnung warum die sechste nicht mit gemacht hat, ihre jeweiligen Tanznummern da, welche hauptsächlich aus traditionellen Tänzen, aber auch aus einer Rock-Nummer, bestanden.
Es war auf jeden Fall sehr unterhaltsam und hat Spaß gemacht ihnen dabei zuzugucken, besonders da mir die Schüler jetzt langsam auch doch etwas ans Herz wachsen.

Hier sind noch ein Paar Eindrücke vom Día del Padre:

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Die ersten Schulwochen und Karneval

Am ersten Februar begann, nach zwei Monaten Sommerferien, die Schule wieder. Das heißt zumindest theoretisch, denn im Gegensatz zu Deutschland, wo man ein ärztliches Attest benötigt wenn man am ersten Schultag fehlt, so erschien hier am ersten Schultag vielleicht ein Viertel der Schüler. Das machte Unterricht natürlich unmöglich, sodass die erste Woche in der Schule so gut wie nichts los war. Denn zusätzlich zur ersten Woche, war dann ja auch noch Karneval, weswegen natürlich erneut Unterricht ausfiel. Kein Problem für uns, denn das gab uns fünf freie Tage in denen wir etwas unternehmen konnten. Der Plan von meiner Mitbewohnerin Lea und mir war, das Wochenende in Sopachuy zu verbringen um die lebenden Freiwilligen zu besuchen. Neben uns sollte auch noch Caro aus Camiri und Tamara und Mareile aus Tarabuco kommen.

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Da wir aber in Bolivien sind klappte das natürlich mal wieder nicht wie geplant, denn kurz vor Karneval beschlossen die Bauern auf einmal, dass sie jetzt streiken und im Zuge dessen einfach mal sämtliche wichtige Straßen in Bolivien blockieren, insbesondere den Weg nach Sucre. Man kann sich das in Deutschland nicht so vorstellen, wenn da aus irgendeinem Grund eine Straße blockiert ist, dann nimmt man halt irgendne andere. Hier legt das aber wirklich den kompletten Verkehr lahm, da es halt nur so wenige Straße gibt, sodass in einigen Dörfern auch schon Versorgungsprobleme auftraten, weil das Essen nicht mehr durchkam. Für uns erschwerte das die Karnevalsplanung extrem. Eigentlich wollten wir uns Donnerstagabend auf den Weg nach Sopachuy machen, indem wir zunächst nach Sucre fahren und dann von dort aus noch mal fünf Stunden nach Sopachuy. Am Donnerstag fuhr aber überhaupt nichts Richtung Sucre, da die Straße immer noch komplett blockiert war. Wir hofften auf Freitag. Tatsächlich fuhren Freitag dann auch zwei Flotas nach Sure, die hatten aber keine Plätze mehr frei. Da wir aber unbedingt nach Sucre wollten, beschlossen Lea und ich, dann fahren wir eben auf dem Gang mit. Das bekamen wir dann auch tatsächlich auch geregelt, sodass wir dann um sieben in der Flota nach Sucre saßen. Wir hatten auch noch Glück sodass wir nach zwei Stunden in eine andere Flota wechseln konnten sodass wir nicht die kompletten zehn Stunden Fahrt auf dem Gang verbringen mussten. So gegen fünf war dann aber letztendlich Schluss, da wir an der letzten Blockade vor Sucre angekommen waren und nicht mehr weiterkamen, also hieß es aussteigen und laufen. Glücklicherweise konnten wir uns einer sehr netten Familie anschließen die uns dann mit durch die Blockade und später mit dem Taxi nach Sucre rein genommen hat. So waren wir dann um sieben tatsächlich in Sucre angekommen und warteten dort darauf, dass das Flotaunternehmen nach Sopachuy aufmachte. Die hatten allerdings schlechte Nachrichten für uns, denn die Flota um neun die wir hatten nehmen wollen fuhr nicht sondern nur eine abends, mit der wir aber erst so spät in Sopachuy angekommen wären, dass es sich nicht mehr gelohnt hätte. Also fuhren wir völlig gefrustet am Abend wieder zurück nach Monteagudo, wo vor wir aber natürlich erstmal wieder durch die Blockade laufen mussten, diesmal allerdings in der prallen Mittagshitze.

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Ganz im Eimer war Karneval dann aber zum Glück doch nicht, denn nach einem sehr gemütlichen Sonntag beschlossen Tamara und Mareile nach Sopachuy am Montag und Dienstag auch noch uns zu besuchen. So verbrachen wir mit den beiden noch zwei sehr schöne Tage an denen wir montags zum Fluss zum Baden fuhren und abends essen gingen und dienstags spontan von unserer Nachbarin auf eine Feier eingeladen wurden auf der gegrillt und eine Menge Bier getrunken wurde und nach dem wir uns auf der Rückfahrt, den die Feier war irgendwo auf dem Land, von der Ladefläche des Pick-ups, auf der wir saßen, aus mit den anderen Bewohnern Monteagudos eine gewaltige Wasserschlacht lieferten (denn in Bolivien ist es so, dass man an Karneval sich mit Wasser, an manchen Orten auch mit Farbe, bewirft). Nach dem alle geduscht hatten und einen heißen Kakao getrunken hatte, denn zum Ende wurde es doch sehr kalt, so völlig durchnässt, machten sich Tamara und Mareile wieder auf den Nachhauseweg und nahmen Lea direkt mit, da diese momentan in Sucre einen Sprachkurs macht.

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Für mich ging dann Mittwoch die Schule weiter, in der dann endlich so langsam auch mal mit dem Unterricht begonnen wurde. Dort hat sich für mich seitdem auch nicht viel geändert, außer dass ich, da meine Lehrerin jetzt schon zweimal ein paar Tage verreist war, den Unterricht ein paar Mal eigenständig und alleine machen durfte, was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat und ganz gut geklappt hat.
Deswegen hoffe ich, dass ich in dieser Schule jetzt vielleicht noch öfter die Gelegenheit, zu unterrichten, bekomme.

Reisen

Nach fast drei monatiger Pause, lasse ich auch noch mal von mir hören ;-). Nach sehr zähen letzten Schulwochen, in denen noch weniger los war als sonst, begannen am ersten Dezember endlich die, von allen Parteien, lang ersehnten Sommerferien. Das bedeutete für uns auch die Reisezeit!

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Für mich ging es zunächst aber erstmal nach Sucre, wo ich mir die Zeit mit diversen Arztbesuchen vertrieb, da es mir in letzter Zeit nicht so gut ging.

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Am 12. Dezember begann dann meine erste Reise mit der, von Hostelling International Bolivia organisierten, Salz und Silber-Tour. Diese starteten wir in der, drei Stunden von Sucre entfernten, Minenstadt Potosi. Dort besichtigten wir das Casa de la Moneda, in dem wir etwas über die Wichtigkeit Potosis, in der spanischen Münzproduktion, zur Kolonialzeit erfuhren. Abends genossen wir ein wenig Weihnachtsstimmung, auf der sehr üppig geschmückten Plaza Principal, mit Weihnachtsmusik, Schokofrüchten und heißem Kakao. Am nächsten Morgen beendeten wir unseren Aufenthalt in Potosi mit dem Besuch einer Silbermine.
Dann ging es weiter nach Uyuni, wo wir eine dreitägige Tour über den Salar de Uyuni und die umliegende Landschaft machten. Dort besichtigten wir am ersten Tag, die eindrucksvolle Salzwüste selbst, am zweiten Tag einige Lagune und besonders eindrucksvolle Wüstenabschnitte und am dritten Geysire und heiße Quellen.


Von dort aus ging es nach La Paz, wo unsere Tour dann auch endete. In La Paz hatten wir eine Stadttour, fuhren mit der Seilbahn nach El Alto und beschäftigten uns ausgiebig mit dem Shoppen von Alpaca-Sachen.

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Von La Paz ging es dann zurück nach Sucre, wo ich, zusammen mit Jana und Lea, zwei Mädels aus meiner WG, und Suzi, einer Freiwilligen von der Isla del Sol, sehr unspektakuläre, aber trotzdem ganz gemütliche Weihnachtsfeiertage verbrachte. Ich muss allerdings zugeben, dass Weihnachten, so weit entfernt von der Familie, doch sehr hart war. Auch der 25. Dezember war leider sehr getrübt, da es Abschied von Jana nehmen hieß, da diese, auf Grund gesundheitlicher Probleme, frühzeitig nach Deutschland zurückkehren musste.

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Am 26. Dezember begannen dann endlich die heiß ersehnten vier Wochen Reisezeit. Das bedeutete für mich und zwei weitere Freiwillige Kimi und Frieder, dass wir uns abends, mit dem Bus, auf den sehr langen Weg nach Buenos Aires machten. Dort kamen wir ziemlich genau zwei Tage später dann auch an, nach über 40 Stunden Busfahrt. Im Hostal Fiesta, mitten im Zentrum von Buenos Aires, traffen wir dann auf Anna ,ebenfalls Freiwillige, die von Santa Cruz aus gefahren war und schon bereits am Morgen angekommen war. Die nächsten fünf Tage verbrachten wir in Buenos Aires, in denen wir unteranderem den beeindruckenden Mausoleen Friedhof, das Museo de Bellas Artes, das Stadtviertel La Boca, mit seinen bunten Häusern, und die Plaza de Mayo, mit den umliegenden Gebäuden wie Kathedrale und Regierungsgebäude, besichtigten. Außerdem nutzen wir die Tage zum einfachen durch die Stadtbummeln und haben natürlich Silvester gefeiert.


Am zweiten Januar machte ich mich dann am Abend zusammen mit Anna und Kimi, auf den Weg nach Córdoba, die zweit größte Stadt Argentiniens. Als wir diese nach einer Nachtfahrt dann erreichten, regnete es leider, deswegen fiel der Vormittag dann erst mal flach und wir verbrachten ein paar gemütliche Stunden, in denen Anna von Kimi die Haare mit der Schere vom Taschenmesser geschnitten wurden :D, im Hostal. Nachmittags nahmen wir dann an einer Free-Walking Tour durch Córdoba teil und lernten so die Stadt ein wenig kennen. Abends besuchten wir noch einen Kunsthandwerkmarkt im Paseo del Buenas Artes, auf dem es wirklich schöne Sachen gab…leider hatten wir alle kein Geld mehr, weil wir irgendwie Probleme hatten eine funktionierende Bank zu finden. Die restlichen zwei Tage in Córdoba verbrachten wir ziemlich entspannt, da sich die Stadt als jetzt auch nicht so spektakulär herausstellte, mit durch die Stadt bummeln und im Park chillen und immerhin dem Besuch eines Kunstmuseums. Zu unserer Verteidigung muss man allerdings sagen, dass wir noch einige andere Museumsbesuche geplant hatten, die hatten aber alle zu.
Am Abend des dritten Tages ging es dann, wieder mit dem Bus, weiter nach Mendoza. Dort verbrachten wir vier Tage, von denen wir uns am ersten ein bisschen die Stadt anguckten, in der es aber nicht viel zu sehen gab, am zweiten im Nationalpark Aconcagua, in dem sich auch der Berg Aconcagua befindet, der mit fast siebentausend Metern der zweithöchste Berg der Welt ist, wandern waren, am dritten Paragliden waren und am vierten eine Weintour gemacht haben.


Nach Mendoza setzten wir unsere Reise in Santiago de Chile fort. Die Einreise nach Chile verlief zum Glück problemlos, auch wenn es ein wenig nervig war nachts um drei aufstehen zu müssen um die Grenze zu überqueren, ein Hoch auf die offenen Grenzen in Europa. In Santiago angekommen, checkten wir erst mal in unser sehr malerisches Hostal ein und machten uns dann auf den Weg zum Cerro del Cristobal, einem Berg mitten in Santiago auf deren Gipfel die Virgen von Santiago steht. Da es immer noch sehr früh war und demnach noch angenehm kühl, und die Seilbahn, die zum Gipfel fährt auch noch gar nicht auf hatte, beschlossen wir den Gipfel zu Fuß zu erklimmen. Von oben bot sich uns ein unglaublicher Blick über Santiago und ein wirklich idyllischer und wunderschöner Platz/Park, von welchem man diesen bewundern konnte. Nach dem Abstieg, diesmal mit der Seilbahn, machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt und zur Plaza de Armas, auf welcher wir auch die eindrucksvolle Kathedrale Santiagos bewunderten. Danach bummelten wir noch ein wenig durch die Einkaufszone, wobei wir aber nichts kauften um uns dann noch ein bisschen im Hostal zu erholen.Abends machten wir uns dann nochmal auf den Weg ins Viertel Lastarria, in dem wir auf einem Kunsthandwerksmarkt stöberten und eine kleine Kunstaustellung besuchten. Im Hostal ließen wir den Abend dann gemütlich, bei, dem auf der Weintour erstandenem, Wein aus Mendoza, ausklingen. Am nächsten Tag wollten wir uns eigentlich etwas den kulturellen Seiten Santiagos widmen, und zwar mit dem Besuch eines Museums und dem Regierungspalast, dem Palacio de la Moneda…leider hatte aber beides zu, sodass wir dann letztendlich shoppen gegangen sind. Abends schafften wir uns einen Einblick in das Nachtleben Santiagos. Außerdem beschlossen wir dass, obwohl Santiago wirklich schön war und mir auch unglaublich gut gefallen hat, wir auch irgendwie schon alles gesehen hatten, weswegen wir den nächsten Tag nach Viña del Mar an den Strand fuhren. Dort verbrachten wir einen gemütlichen Tag am Meer, nur zum Schwimmen waren die Wellen leider viel zu hoch. Abends beendeten wir den Tag mit einem unglaublich leckerem Essen in einem Steakhaus im Paseo del Buena Vista in Santiago, das zugleich auch als Abschlussessen fungierte, da wir uns am nächsten Tag von Kimi verabschiedeten, weil diese zurück nach Buenos Aires flog, um ihre Reise von dort aus fortzusetzen. Anna und ich machten uns an unserem letzten Tag in Santiago noch auf den Weg ins zweistunden entfernte Valparaiso und bestaunten dort die bunten und zu Kunstwerken verwandelten Häuser. Abends bestiegen wir dann den Bus nach Calama, unserem Zwischenstopp auf dem Weg nach San Pedro de Atacama, wo wir dann dreiundzwanzig Stunden später auch ankamen.

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Blick vom Cerro San Cristóbal über Santiago


Am darauffolgenden morgen fuhren wir dann nochmal zwei Stunden nach San Pedro. Dort angekommen suchten wir uns direkt eine Agentur mir der wir zu den Thermas Puritamas, heißen Thermalbädern mitten in der Wüste, fahren konnten. Dort entspannten wir den Nachmittag lang in 34°C heißem Wasser und erholten uns von der langen Busfahrt. Am Abend gingen wir noch schön essen und fielen dann todmüde ins Bett. Doch die Nacht war kurz, denn am nächsten Tag hatten wir eine Tour zu den Geysiren gebucht und die startete um fünf Uhr morgens und da wir auch noch packen mussten, bedeutete das um vier Uhr morgens aufstehen. Leider war unsere Tour ein wenig vom Pech verfolgt, da wir schon nach einer halben Stunde Halt machen mussten, weil wir einen Platten hatten. Der Reifen wurde gewechselt und weiter ging‘s. Doch nicht sehr lange, denn wie sich herausstellte verlor auch dieser Reifen Luft, sodass wir schließlich ganz anhalten und auf ein Auto mit Ersatzreifen warten mussten. An sich nicht so schlimm, nur waren es leider ungefähr minus fünf Grad, dementsprechend war mir also ein wenig kalt. Nach einem sehr schönen Morgenspaziergang, kam nach etwa einer Stunde, aber das andere Auto und wir konnten weiter, sodass wir letztendliche doch noch die Geysire besichtigen konnten. Am Abend machten wir uns auf den Weg zu unserem letzten Reiseziel: Iquique.
Für diesen Stopp hatten wir den Plan, die letzten fünf Tage unsere Reise, chillend am Strand zu verbringen. Und das haben wir auch sehr erfolgreich umgesetzt. In unserem Hostal haben wir unglaubliche viele andere tolle Reisende kennen gelernt, mit denen man sehr unterhaltsame und entspannte Abende im Hostal „Garten“ verbringen konnte. Generell herrschte im Hostal eine sehr angenehme Stimmung, weil irgendwie alle gleich drauf waren: lange schlafen, dann Frühstück machen, mit Naturjoghurt ❤ (sowas gibt’s in Bolivien nicht), dann zum Strand und Abends haben dann fast alle in der Küche gekocht und dann saß man noch gemütlich draußen mit ganz vielen verschiedenen Leuten, sodass das Gespräch zwischenzeitlich auch schon mal in fünf verschiedenen Sprachen geführt wurde.


Nach diesen fünf sehr schönen Tagen in Iquique, in denen wir übrigens auch Seelöwen in freier Natur gesehen haben, ging es dann zurück nach Sucre, wohin wir aber auch noch mal zwei Tage brauchten, weil wir unteranderem acht Stunden an der Grenze standen, da die bolivianische Grenze natürlich erst um neun Uhr morgens aufmacht, zu unserem Zwischenseminar. Damit endete unsere Reise.

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Abschließend muss ich sagen, dass diese vier, bzw. mit der Salz und Silber Tour fünf, Wochen Reisezeit, wohl zu den besten meines Lebens gehören, in denen ich so unglaublich (Ich weiß nicht wie oft ich dieses Wort in diesem Beitrag verwendet habe :D) viel erlebt und gesehen habe und von denen ich keine einzige Erfahrung missen möchte. Es war einfach eine super tolle Zeit, auf die ich immer voller Glück zurückblicken kann. Danke an die Leute die dabei waren, und diese tollen Erlebnisse dadurch mit möglich gemacht haben.

Unser Besuch in Alcala

Am Wochenende machten wir uns auf den Weg nach Alcala, ein kleines Dorf bei gutem Wetter ungefähr vier/fünf Stunden von uns entfernt, um dort den Geburtstag eines unserer Mitfreiwilligen zu feiern. Die Anfahrt stellte sich als etwas abenteuerlicher heraus als eigentlich angedacht. Einen Direktbus von Monteagudo nach Alcala gibt es nämlich nicht, deswegen sollten wir dann mit der Flota nach Sucre fahren und dann irgendwann vorher an einem kleinen Ort in der Nähe von Alcala aussteigen, wo uns die Freiwilligen aus Alcala dann irgendwie abholen wollten. Das erste Problem war aber schon, dass es leider die ganze Woche total viel geregnet hatte und was das hier mit den Straßen anstellt, kann man sich in Deutschland überhaupt nicht vorstellen. Deswegen war auch zuerst überhaupt nicht klar ob bei dem schlechten Wetter überhaupt eine Flota fahren würde. Sie fuhr aber zum Glück, hatte aber mal eben anderthalb Stunden Verspätung, weil sie, wie uns die Freiwilligen aus Camiri, die schon im Bus saßen berichteten, einfach den Berg nicht hochkam, sondern immer wieder runtergerutscht ist. Auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse haben wir dann auch nicht wie angenommen vier, sondern sechs Stunden gebraucht, die leider nicht sehr erholsam waren, weil ich nicht schlafen wollte, weil ich Angst hatte, das wir unseren Ausstieg verpassen, da das ja keine normale Haltstelle war, sondern der Bus dann einfach mitten im Nichts gehalten hat. Und außerdem war es im Bus auch einfach saukalt. Als wir dann angekommen waren, und das mit dem Austeigen erfreulicherweise auch gut geklappt hatte, lief das mit dem Abholen dann leider doch etwas anders als erwartet :D. Der der uns eigentlich hatte abholen sollen war dann nämlich doch nicht da gewesen, deswegen haben wir dann erst nochmal eine anderthalbstündige Nachtwanderung durch die bolivianische Pampa bis nach Alcala gemacht. Da war ich dann doch sehr froh, dass ja fast jedes Handy eine Taschenlampe hat, da war es nämlich stockdunkel. Irgendwann um vier Uhr nachts waren wir dann letztendlich im Hostel angekommen und konnten da in die Betten fallen und uns aufwärmen, denn unterwegs hatte es natürlich auch noch angefangen zu regnen.
Am nächsten Morgen konnten wir dann erstmal in Ruhe mit den anderen Freiwilligen frühstücken. Von uns 25 waren insgesamt 15 da, das war total cool. Am Nachmittag waren wir dann, mal wieder :D, an einem Fluss wandern. Diese Wanderung stellte sich aber zum Glück als sehr viel machbarer heraus als die in Sucre, nur hatte ich natürlich mal wieder die total falschen Schuhe an. Aber es war ein wirklich sehr schöner Ausflug, und die Stelle am Fluss an der wir dann saßen war echt toll.

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Am Abend war dann die Party, es wurde viel gefeiert und war echt sehr lustig.
Danach wurde dann erstmal ausgeschlafen, und dann machten sich die ersten auch schon wieder auf den Rückweg. Wir sind erst abends um sechs aus Alcala weg, denn da es ja keine direkte Flota gibt, war das wieder ein bisschen komplizierter. So sind wir also mit so einer Art kleinem Privatbus für 100 bolis von Alcala nach Padilla gefahren von wo aus wir dann mit der Flota so gegen acht/neun nach Monteagudo und die anderen noch weiter nach Camiri fahren sollten. Tja blöderweise gab es nur noch eine Flota nach Monteagudo und die fuhr leider erst um elf und nach Camiri fuhr gar keine mehr. So wurde dann kurzerhand beschlossen, dass die Freiwilligen aus Camiri dann eben erst mal mit bis zu uns fahren, und wir dann am nächsten Tag schauen wie sie von da aus weiter kommen. Also haben wir dann die nächsten vier, bzw. eigentlich sogar fünf Stunden, denn die Flota kam erst um zwölf, in Padilla auf so einer Art Parkbänken am Busterminal verbracht.
Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass ich wohl schon etwas spontaner geworden bin, denn das Ganze hat mich erstaunlich wenig gejuckt. Da wartet man eben mal fünf Stunden auf den Bus :D. Ich habe mir dann mit einer anderen noch ein wenig Padilla angeschaut, was auch echt ganz schön war und wir waren noch hamburgesas essen.
Um zwölf kam aber dann ja doch endlich die Flota, und diese Fahrt war tatsächlich noch schlimmer als die Hinfahrt. Wir saßen nämlich ganz hinten und obwohl mir zum Glück nicht schlecht geworden ist, hat man da wirklich jeden Hubel gespürt und teilweise hatte ich echt ein bisschen Angst aus dem Sitz zu fallen und das ganze Gepäck ist auf mich gefallen.
Als wir dann um fünf Uhr morgens in Monteagudo ankamen, waren wir alle nur noch froh ins Bett zu können, das war zwar ein wenig eng, da wir uns zu sechst in drei Betten quetschen mussten, ging aber doch eigentlich sehr gut. Denn Tag haben wir dann noch mit den Freiwilligen aus Camiri verbracht bis die dann abends auch weiter gefahren sind.
Alles in allem war das ein sehr schönes Wochenende, das auch ein wenig abenteuerlich war und sich aber auf jeden Fall total gelohnt hat.

So ist es in der Schule

Heute mal ein Beitrag dazu wie es in der Schule allgemein so ist und was ich im Englischunterricht so mache.

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Hier ist es so, dass die Schüler entweder vormittags oder Nachmittag, d.h. entweder von halb acht bis kurz vor 12 oder von zwei bis sechs, Unterricht haben. In einer Schule haben dann zum Beispiel vormittags die Grundschüler und nachmittags die Jugendlichen Unterricht und in einer anderen ist es andersrum. Deswegen arbeite ich vormittags in der secundaria in der Venezuela und nachmitags in der secundaria in der Esprella. Die Schüler haben drei Fächer am Tag, was zur Folge hat, dass sie glaube ich jedes Fach nur einmal die Woche haben, zumindest in Englisch ist das so.

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Montags fängt die Schule zehn Minuten früher an, das hat auch erst mal gedauert bis ich das kapiert hatte :D, weil dann zu Beginn eine Veranstaltung ist, die glaube ich zumindest in der Esprella „hora cultural“ heißt, bei der die bolivianische Flagge gehisst wird, ein Gebet gesprochen wird und die Nationalhymne gesungen wird. Meist gibt es dann noch eine Ansprache des Direktors/ der Direktorin und irgendwas was von den Schülern vorbereitet wurde.

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Dann fängt der Unterricht an. Wie lange eine Stunde dauert habe ich leider immer noch nicht kapiert. Denn die Klingel wird von Hand betätigt und deswegen klingelt‘ s irgendwie immer mal wann anders.

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Zum Ende der ersten, bzw. in der nachmittags Schule zu Beginn der zweiten Stunde, gibt es das „desayuno“ also das Frühstück, das alle Schüler/innnen und die Leher/innen bekommen. Das besteht normalerweise aus einem Gebäckstück, zum Beispiel „pan“ (Brot) oder einem Empenada, und einem Getränk, z.B. Saft, indem aber glaube ich überhaupt keine Frucht drin ist, sondern ein Stoff identisch mit dem Aroma der jeweiligen Frucht ist, oder Trinkjogurt, die es hier übrigens in Tüten gibt, von denen man dann mit den Zähnen eine Ecke abbeißen muss und dann aus der Tüte trinkt, oder irgendne Suppe, die ich aber nicht mehr esse, nachdem mir davon einmal echt schlecht geworden ist.

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Zum Englischunterricht: In beiden Schulen gibt es eine Englischlehrerin, die ich dann durch ihren Unterricht begleite. In der Venzuela, helfe ich den Schülern meist nur bei ihren Aufgaben, z.B. müssen die Texte übersetzen und ich helfe ihnen mit den Vokabeln, oder sie bilden Sätze, bei denen ich helfe, oder wenn etwas an die Tafel geschrieben wird, dann verbessere ich das. Sonst mache ich in der Schule leider nicht viel, was sich aber hoffentlich noch ändert. Außer wenn es eine mündliche Prüfung gibt, dann mach dabei immer ich die eine Hälfte und die Profe die andere Hälfte. Das ist oft auch sehr frustrierend, weil viele Schüler selbst wenn sie vorher noch ne Viertelstunde üben können, nichts können und auch einfach nicht wollen, soweit, dass einige tatsächlich lieber die null Punkte kassieren, als es einfach zu probieren. In der Esprella helfe ich ebenfalls bei den Aufgaben, aber da mache ich auch besonders viel zur Aussprache, indem ich die Worte einfach immer wieder mit Ihnen durchgehe. Z.B. schreibe ich die Zahlen von eins bis hundert an die Tafel und gehe sie dann einzeln mit den Schülern durch, indem ich sie vorspreche und die Schüler sie wiederholen. In der Esprella hatte ich auch schon zweimal eine Klasse alleine, was auch ganz cool war, auch wenn es nicht so geklappt hat wie ich es mir vorgestellt hatte. Das erste Mal war die Lehrerin eigentlich da, musste aber irgendwas wegen der Quartalsnoten regeln und hat den Schülern deswegen nur zu Beginn eine Aufgabe gegeben und ist dann verschwunden. Ich habe dann die Klasse alleine beaufsichtigt und den Schülern bei der Bearbeitung der Aufgaben geholfen. Das zweite Mal war die Lehrerin verreist und hatte mir vorher nur kurz was ich ungefähr machen soll, sodass ich den Unterricht dann selber vorbereiten konnte. Leider konnte ich das was ich mir vorgenommen hatte nicht wirklich umsetzen konnte, weil es zu anspruchsvoll war. Eigentlich wollte ich nämlich, dass die Schüler sich gegenseitig fragen was sie anhaben, da ich die Aussprache von „What are you wearing?“ Fragen und ihren Antworten mit ihnen üben sollte. Das hat aber echt nicht geklappt, weil die Schüler es einfach nicht gewohnt sind, vor der Klasse zu sprechen oder irgendwie ein Gespräch in der Klasse zu führen. Deswegen musste ich dann umschweifen und habe stattdessen, immer zu zweit, zwei Fragen und zwei Antworten vorbereiten lassen, die sie dann nur mir vortragen sollten.

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Mehr habe ich bis jetzt in den Schulen leider noch nicht gemacht, aber ich hoffe, dass ich bald die Möglichkeit finde, von mir aus noch mehr zu machen und so mehr zum Unterricht beitragen kann.

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Soweit erstmal zur Schule :).

So wohnen wir

Da es im Moment aus der Schule nicht so viel zu berichten gibt, dachte ich, ich erzähl euch mal ein bisschen von unserer Wohnsituation.

Wir wohnen hier in der Calle de Sucre, wo das ist könnt ihr ja auf der Karte aus dem letzten Beitrag sehen, in einem kleinen, einstöckigen Haus mit zwei Zimmern, einem Bad und einer großen Küche. Alle Zimmer gehen raus auf den Hof, bzw. auf die Terrasse, dh. die Zimmer sind nicht durch einen Flur oder so verbunden.

Im Hof befinden sich neben ein paar Obstbäumen und anderen Pflanzen, die Wäscheleinen, auf denen wir und unsere Nachbarn unsere Wäsche zum trocknen aufhängen.

Mit uns in diesem „Wohnblock“ wohnen noch drei andere Familien, alle mit Kindern, die auch sehr gerne auf unserer Terasse spielen :D.

Hier ein von mir erstellter Grundriss der ungefähren Situation:

Grundriss Haus02

Außerdem kann man noch sagen: Kochen tun wir auf einem Gasherd, fließend warmes Wasser gibt’s nur in der Dusche, dh. man muss immer für alles möglische Wasser kochen, zB. zum Spülen, und Kleidung waschen wir mit der Hand in den Waschbecken neben unserem Haus.

Hier sind noch ein paar Bilder:

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Unser Haus vom Hof aus gesehen

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Badezimmer

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Küche

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Terrasse

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Hof

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Wäscheleinen

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Hof

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Mein Zimmer

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Mein Bett

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Mein Zimmer